|
Ben Hoyle, Kunst-Reporter von Times Online, ist der Ansicht, dass Literatur-Raubkopien letztlich Schriftsteller dazu bringen werden das Schreiben aufzugeben. Dies offenbart nicht nur einen Kenntnismangel bezüglich des Zahlenverhältnisses zwischen veröffentlichten Autoren und unveröffentlichten, so dass die Tätigkeit des Schreibens für 98% aller Autoren keine Veränderung erfahren wird, sondern setzt auch noch in plumper Siegermentalität "Literatur" mit "Traditionell veröffentlichte Literatur" gleich. Angesichts dessen, wieviele erfolgreiche Veröffentlichung geradezu Glücksfälle waren und nur durch persönliche Kontakte oder Gefallen oder ohne Gewinnerwartung jenseits der Amortisation zustande gekommen sind und belegen, dass der Zusammenhang zwischen Industrierezeption, Kommerz und "Qualität" wackelig bis gar nicht ist, ist das schon merkwürdig. Außerdem, gerade der Vergleich mit Musik sollte einem zeigen, dass der Gedanke Unsinn ist. Es werden immer noch neue Bands gegründet und Menschen machen immer noch Musik, trotz aller Raubkopien. Die Industrie mag sich wandeln, die Tätigkeit an sich wird aber nicht zugrunde gehen solange sie noch aus Leidenschaft betrieben wird. Die einen werden schreiben, die anderen werden lesen. Nur wer wieviel wofür bezahlt, das mag sich ändern. Und, wie andere richtig aufzeigen: Der größte Feind des Autors ist nicht die Raubkopie, sondern die Unbekanntheit. Und da kann das Internet schon einige Erfolgsmeldungen im Fördern junger Talente verbuchen. Einen Sonderfall können da noch einige Sachbücher bieten: Geht es nur um extrahierbare Information, so wird man diese wohl besonders schnell in kleinen Häppchen allerorts online wiederfinden. Und dann gibt es da auch noch seit Neuestem Student Bay, das neueste Unterfangen der Piratebay-Betreiber (letztes Pressezitat: "the record labes can go screw themselves."), welches in dem Zusammenhang diskutiert werden kann.
|