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Sunday, 10. February 2008 03:00 |
Wie mag es sich wohl anfühlen, wenn man merkt, dass sich das eigene, sorgsam gepflegte Image in Wohlgefallen auflöst? Hollywood-Saubermann Tom Cruise und "brutalstmöglicher Aufklärer"/Bundeskanzler-in-spe Roland Koch haben in den vergangen Wochen hautnah erfahren dürfen, wie schnell man die Kontrolle über sein Selbstbild verliert und ziemlich hilflos seiner eigenen medialen Umdefinierung beiwohnen darf. In aller Fairness: Tom Cruise war an den Ereignissen der letzten Wochen nicht einmal unmittelbar beteiligt. Die nun an die Öffentlichkeit bzw. YouTube gespielten Videoschnippsel sind schließlich schon Jahre alt und waren auch nicht für ein breites Publikum bestimmt. Dürften wir etwa auf ähnliche Weise Madonna im Kreis ihrer Co-Mystiker über die Vorzüge der Kaballa philosophieren sehen, wäre das Ergebnis für Otto-Normalverbraucher vermutlich nicht weniger befremdlich. Auch war er vermutlich nicht aktiv am Design dieser bizarren Preisverleihungsfeier beteiligt: Die Bühnenbauten liegen irgendwo zwischen Hindutempel und der Neuen Reichskanzlei, und seine Medaille sieht verdächtig wie der Krimskrams aus, den man mitunter in Cornflakes-Packungen findet. Nein, der Fehler von Cruise war vor allem, dass er nicht sehen wollte, dass sein smartes Posterboy-Image irgendwann mit dem des eifernden Missionars kollidieren würde. Speziell für den deutschen Raum wurde dieser Konflikt noch weiter verschärft durch die nur noch tragikkomisch zu nennende Unbedarftheit, mit der der Hollywoodstar so vermintes Gelände wie die deutsche Gedächtniskultur navigierte. Wer seine Dankesrede anlässlich des Entgegennehmens eines Bambi in der Kategorie "Courage" (was ist eigentlich mit diese ganzen Preisen los?) mit den Worten "es lebe das heilige Deutschland" schließt, der beweist zwar in gewisser Weise auch Mut, vor allem aber Ignoranz. Das wiederum kann man von Roland Koch nicht gerade sagen. Der Mann hat die Straßen und Plätze zwischen Taunus und Rhön das eine oder andere Mal auf Stimmenfang durchquert und sollte mit den lokalen Bräuchen hinreichend vertraut sein. Die Wortwahl seines Schwadronierens von "kriminellen Ausländern" war durchdacht; die Strategie war es offenbar nicht. Der Trick eines polarisierenden Wahlkampfes ist es, den Keil so in die Wählerschaft einzutreiben, dass die Mehrheit auf die eigene Seite fällt und dem politischen Gegner nur noch händeringendes Protestieren bleibt. Doch der hessische Ministerpräsident setzte zu früh zum Schlag an (zugegebenermaßen abhängig von aktuellen Ereignissen). Zunächst erfüllte die Provokation ihren Zweck vorbildlich, doch schon nach wenigen Tagen drohte der Keil wieder herauszurutschen. Also blieb nur noch das Nachlegen. Mit immer gewagter wirkenden Vorschlägen zur Kriminalitätsbekämpfung ("Jugendstrafrecht jetzt auch für Kinder") konnte der Keil zwar wieder fixiert werden, doch das mediale Image des Wahlkämpfers war inzwischen derart ramponiert und nach rechts gedriftet, dass sich nun zu viele Wähler auf der "falschen" Seite der Trennlinie befanden. Was wird die Zukunft für diese beiden Bruchpiloten halten? Hier könnte Koch deutlich im Vorteil liegen da ihm das ganze Programm der medialen Rehabilitation offen steht: langsames Abrücken von den ursprünglichen Äußerungen (hat bereits begonnen), Reue zeigen oder das Thema wechseln, Aufbau eines neuen Image. Als Überzeugungstäter wird sich Cruise dagegen kaum von irgendetwas distanzieren wollen. Ob das hiesige Feuilleton ihm dann nach Veröffentlichung seines Stauffenbergfilms die Absolution erteilen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht bekommt er dann ja auch noch ein paar Preise. Das Bundesverdienstkreuz, oder so. Aber bitte ohne Dankesrede.
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