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„I’m not the enemy.“ - "Then who are you?“ Michael Clayton ist der in-house fixer seiner Kanzlei. Wenn ein millionenschwerer Kunde sich am dunklen Rand des legalen Grau geschnitten hat, dann schickt man ihn. Mal wieder nach der Vorstandssitzung im Koksrausch 'ne Nutte kaputtgemacht oder 'n Hobo abgestochen? Michael Clayton. Der richtet das schon. Er jongliert ständig mit Wahrscheinlichkeiten, und so wie er im Privatleben sein Geld mit Karten verspielt oder Geschäftsideen verwettet, so wägt er im Beruf die rechtlichen Möglichkeiten seiner Klienten. Wenn man in NYC falsch geparkt hat, dann sorgt er dafür, dass die Anklage auf Mord lauten wird, denn damit ist es dort einfacher davonzukommen. Er optimiert Chancen. Erfolgreich. Und das ist die Tragödie seines Seins, denn der private Mangel an Erfolg, verschuldet und alleinerziehend, zwingt ihn dazu seinen Job weiterzumachen, sich für Sold in einer beruflichen Sackgasse zu verdingen und etwas zu tun, das ihn langsam aber stetig aushöhlt und mit wachsendem Zweifel an ALLEM hinterlässt -- und dazu führt, dass ihn jemand tot sehen will. In einer traumähnlichen Sequenz zu Beginn des nicht linear erzählten Films sehen wir Michael Clayton auf einer Weide auf ein Trio Pferde zugehen (was hatte Freud nochmal zu Pferden in Träumen zu sagen?), bis im Hintergrund sein abgestellter Wagen in einem Feuerball den vorherrschenden Blau-Grau-Ton des Films gewaltsam durchbricht. Was folgt, ist das spannende „wer?“ und „warum?“ und „was noch?“, das einen 119 Minuten an den Schirm kettet.
Clayton wird zur Arbeit gerufen um Arthur Edens, brillanten aber instabilen Anwalt seiner Kanzlei, zu betreuen. Dieser ist im Auftrag eines Mandanten Architekt der rechtlichen Verteidigung in einer 3-Milliarden-Dollar-Sammelklage, die sich schon seit 6 Jahren hinzieht und nun kurz vor Abschluss steht. Doch Arthur, der in seinem ersten Gespräch mit den markigen Worten „I am Shiva, the god of death!“ seine bipolare Störung zum Ausdruck bringt und dabei gleich mal die Eckpfeiler des Diskurses setzt, denkt gar nicht daran die berechtigte Klage zugunsten des Mandanten abzuwürgen, sondern seinen Arbeitgeber im Namen der Gerechtigkeit zu hintergehen. Er bezieht Stellung. Und das muss Clayton auch. Denn der Einsatz ist viel Geld, der raise ist Leben: Menschen sterben. Diese Runde zu verlieren kann sich keiner der Beteiligten leisten. Technisch ist Michael Clayton in mancher Hinsicht ein mutiger Film, und in einigen Punkten hat sich das Risiko gelohnt. Der deutschen Bundeswehrverordnung kann man entnehmen: „Ab einer Wassertiefe von 1,50 Meter hat der Soldat selbständig mit Schwimmbewegungen anzufangen.” Michael Clayton wirft uns in das 4m-Becken und hält zur Begrüßung auch nochmal unseren Kopf unter Wasser. Aber man nimmt es ihm nicht übel, sondern gibt sich dem Film hin, fängt gerne an zu schwimmen und wird gerade immer so weitergezogen, dass man das Vertrauen in den Geschichtenerzähler nicht verliert, sondern stets damit rechnet, dass das Geschehen sinnig aufgeklärt werden kann -- ohne es jedoch voraussehen zu können. Riskant, aber erfolgreich. Doch es gibt auch einige Dinge, die nicht funktionieren. Zum Beispiel George Clooney, und damit ist nicht gemeint, dass er schlecht spielen würde. Im Gegenteil, er ist stellenweise mitreissend, vor allem wenn er sich aufregt. Wenige können pissed off so empathisch vermitteln wie er es kann, während die übrige Performance immer noch sehenswert ist, aber egal was er auf der Leinwand tut: Er bleibt George Clooney, und wird an keinem Punkt zu Michael Clayton. Man ist sogar noch eher versucht Danny Ocean in ihm zu sehen als Michel Clayton. George Clooney ist ein Opfer des typecast, und die Form in der er feststeckt ist er selbst.
Er ist nun mal als Schauspieler kein Verwandlungskünstler, kein sich selbst aufgebender method actor, sondern jemand mit immensem Charisma und enormer Leinwandpräsenz. Das funktioniert bestens in Filmen mit Bedarf an prominenten Protagonisten, oder wenn er in Michael Clayton laut wird und Dinge fordert, aber in der Figur des Michael Clayton ist es weniger überzeugend. Der ist ein kleines Rädchen, das sich mehr schlecht als recht durchmogeln muss, doch dafür strahlt Clooney zuviel Souveränität aus und trotz allen filigranen und geübten Mienenspiels verschwindet er nie hinter seiner Rolle. Etwas anderes, das ein wenig seltsam anmutet ist die moralische Wandlung und Läuterung Claytons. Sie beruht darauf, dass Clayton mit 45 Jahren und nach Dekaden in seiner beruflichen Nische der fragwürdigen Rechtsbeugung plötzlich einsieht, dass sein Handeln in erster Linie dem Unrecht, und nicht dem Recht, gedient hat. Es scheint unmöglich zu akzeptieren, dass jemand der so smart und reflektiert handelt wie Clayton, eben dieses so lange übersehen, ignoriert oder verdrängt haben soll. Der Impetus zur Reevaluierung seiner Position wird nicht wirklich klar. Die Mängel die es gibt fallen auf, aber letztlich nicht besonders ins Gewicht. Man vergisst zwar nie, dass man eine Geschichte sieht, aber eben eine verdammt gute und raffiniert erzählte. Michael Clayton ist ein spannender Sog von einem Thriller, der auch ohne ein Übermaß an Action den Zuschauer einzunehmen und zu fesseln vermag. Anschauen. Originaltitel: Michael Clayton. USA 2007, englische Sprache. Regie: Tony Gilroy. Darsteller: George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Sydney Pollack. Deutscher Kinostart: 28.02.2008, FSK 12 Laufzeit: 119 Minuten. IMDb - Wikipedia |